Samstag, 15. Juli 2017

Bilderflut

Erwartest etwa Antworten? Kaum. Nach Hamburg wäre eigentlich eine neue Debatte zum Thema Kameramann Arschloch fällig. Was ist anders? Es sind die Denunziationsaufrufe der Bild mit zig ‚Beweisfotos‘ unterlegt. Das hat eine neue Qualität und hätte früher die Fotoparanoia befeuert. Doch die Zeiten haben sich geändert und vor allem die Technik. Jetzt wo jeder zumindest seine Kleincam auf der Demo dabeihat und wenn nicht, dann wenigstens sein Phone für Selfis und Videos, was willst da noch kontrollieren? Da bleibt eben nur die Unauffälligkeit einheitlicher Kleidung mit Gesichtsbedeckung. Und Sonnenbrille hilft ja auch etwas gegen Pfefferspray. Hat sich rumgesprochen. 
Doch das ist nicht das Hauptproblem. Was man schon bei früheren Demos dieser Art hinterher auf den You Tube Videos begutachten durfte, ist der hemmungslose Fotogebrauch. Jetzt könnte sich mancher, der etwas verantwortungsvoller mit seiner Linse umgegangen ist verarscht vorkommen, erst recht, wenn er ab und an deswegen zur Zielscheibe wurde. Selber blöd, aber das hast vorher gewußt. Das Leben ist nicht gerecht und das interessiert eben niemand. Wenn sich andere danebenbenehmen, wird nicht mehr differenziert. Und dann hast eben haufenweise Fotos rumfliegen. Die gab’s früher auch schon und bei den Bildportalen liegen sie gut, auch wenn keine Gesichter verpixelt sind. Es geht ja auch nicht um Fotos, es geht darum was sie zeigen und ob es gerichtlich verwertbar ist. Also etwas zur Tat aussagt. Etwa so. Da hat einer einen Stein in der Hand. Ist nicht verboten. Hat er den auch geworfen? Und auf wen? Darüber sagt ein Zeitausschnitt einer 1/100 sek wenig aus. Aber das Bild massenhaft in einer Zeitung (und nicht etwa in irgendeiner) reproduziert deutet jemanden zum Abschuss raus. Stellvertretend für den Rest und das war die neue Qualität der Bild Jagdaufrufe.
Was ist mit Fotos, bei den man Leute sieht, die in Sachen Identifikation absolut nicht vorbereitet sind? Tia, das sind eben die Gelegenheits oder Spontanaktivisten die aus der Situation heraus mitmachen und denen es im Moment scheißegal ist, ob die ganze Welt zusieht. Wollt ich nur mal erwähnt haben.
Für den linken Demogänger und Indyuser brechen indes schwere Zeiten an und euer Frust ist verständlich, auch wenn ich eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen kann und die verdient ihr auch. All die Aufrufe und Bildverbote. All das Geschrei nach Gesichter unkenntlich machen. Alles für den Arsch? Scheint so. Die gesellschaftliche Entwicklung stört sich eben nicht an einen Haufen Szenelinken, die glauben sie würden die Geschichte bestimmen. Schon gar nicht die Kameraindustrie, die immer kleinere Cams baut, deren Drohnen bereits auf einer Handfläche passen und künftig Mottengröße haben dürften. Es dürfte bald Cams für den Normalgebrauch geben, die man gar nicht mehr als solche erkennt und wenn du dann deine Sonnenbrille aufsetzt und dabei fotografierst, wie willst da noch die Leut hindern?
Diese Entwicklung hat sich über die Jahre abgezeichnet und anfangs konnte man die Wut an den wenigen Fotographen auslassen, die nicht nur fotografierten, sondern auch noch in diversen Portalen veröffentlichten. Keiner von denen wird sich beklagen. Bei wem auch? Die Profis, die ihre Bilder in der Mainstreampresse setzen, hören jedenfalls keine Klagen. Wer schreibt auch ne Mail an die Welt oder FAZ und erzählt denen was von Gesichter verpixeln? Zeitverschwendung und deswegen lässt man es auch.
Auf linken Portalen scheint es anders zu laufen. Die ewiggleiche Bildparanoia hat zumindest hier zu einen fragwürdigen ‚Erfolg‘ geführt. Es werden kaum noch Bilder veröffentlicht. Wer das früher tat, erledigt das längst auf eigenen Webspace. Linke Portale haben da längst ihre privilegierte Stellung verloren. Ist ja auch kein Nachteil. Wie das Internet unter Kontrolle der Linken aussehen würde, auf solchen Seiten kann man sich selbst ein ‚Bild‘ davon machen.
Aber zurück zu den Fotos. Nicht nur die Polizei hat in Hamburg zeitweise die Kontrolle verloren, die selbsternannten Aufpasser genauso. Man kann sich vor einzelnen Fotographen stellen oder drohen, Kamera weg oder ….! Aber wenn es Hundert sind und sie sind überall? Und an der nächsten brennenden Mülltonne wieder welche? Sisyphus lässt grüßen. Nebenbei bemerkt, nicht nur auf der Straße wird abgelichtet. Etliche Bilder und Videos entstanden am Fenster oder vom Dachfenster. Mitten im Wohnviertel und heute hat so ziemlich jeder was griffbereit. Und wenn es nur das I Phone ist. Kann man dann auf You Tube genießen. Kennt man bereits von Blockupy.
Kurz und bündig, worauf will ich hinaus?
Auch einige linke Spinner werden die Zeit nicht mehr zurückdrehen können. Ein Bildverbot lässt sich allenfalls da mit Druck (Man könnte es auch Amtsanmaßung nennen, aber mit den Gesetzen des Scheißstaates …..) durchsetzen, wo es ohnehin keinen Sinn ergibt, weil eh nichts passiert. Da wo es chaotisch zugeht, kannst eh nichts mehr durchsetzen. Und schon gar keine privaten Photoverbote. Das ist die Message aus Hamburg. 

PS: Was wir aus dieser Geschichte lernen, ist wieder mal. daß wir nichts aus ihr lernen. Auch nach dem BILDersturm wird bei folgenden Aktionen wieder die Fotoparanoia einige umtreiben. Vermutlich weil ein Fotoverbot den konspirativen Mythos sichert und ihnen auf der Demo den Lebenssinn